Die Agfa Isolette I

Die Agfa Isolette 1, eine Mittelformatkamera, kam 1952 in den Handel und galt mit 250.000 verkauften Modellen und einem Preis von 98,- DM als beliebte Einsteigerkamera. Dieses von mir erworbene Modell lag wohl über Jahrzehnte in einem Keller oder Dachboden, bevor sie ihren Weg auf den Flohmarkttisch fand.  Sie ist für ihr Alter gut erhalten, riecht ein wenig nach Dachboden und der Faltbalgen war in den Spitzen nicht mehr lichtdicht. Da es nur winzig kleine Undichtigkeiten waren, konnte ich sie mit schwarzem Silikon auf einem Q-Tipp  abdichten.  Das Apotar f/4,5 85 mm Objektiv in Kombination mit der kürzesten Belichtungszeit von einer zweihundertstel Sekunde lässt genug Rahmen für gute Bilder. Ich experimentiere noch mit den Lichtstärken der Mittelformatfilme.

Alle Einstellungen werden am Objektiv vorgenommen. Die Blende reicht von f1:4.5 bis f1:32 und die Belichtungszeiten reichen von BULB bis 1/200. Die Nahgrenze liegt bei einem Meter. Praktisch ist die Ablesescheibe für die „hyperfokale Distanz“ auf der Oberseite der Kamera. Hier kann man die genutzte Blende einstellen und den Schärfebereich ablesen. Wenn man von vorne auf die Kamera schaut befindet sich rechts unten am Objektiv ein kleiner runder Hebel. Dieser rot markierte Selbstauslöser wird um einen halben Zentimeter im Uhrzeigersinn verschoben und nach Betätigen des Auslösers aktiviert. Links oben auf dem Objektiv lässt sich neben dem Spannhebel ein Kabelauslöser einschrauben, sodass stativgestützte Aufnahmen von hoher Qualität möglich sind.

Die Belichtungen müssen extern genommen werden. Dafür kann sehr gut die kostenlose App LGHTMTR genutzt werden. Die 400 ASA (oder entsprechend des verwendeten Films) werden fest gesetzt und je nach gewählter Blende/Blichtungszeit können die Einstellungen an die herrschenden Lichtverhältnisse angepasst werden. Der HP5 125ASA bietet bei der Kamera zu wenig an Lichtausbeute, der Ilford Delta 400ASA etwas zu viel.
Die Kamera bietet extrem puristisches Fotografieren und verlangt äußerste Aufmerksamkeit. Nach jedem Shot sollte man sich angewöhnen, den Film routiniert weiterzuspulen.

Einige Fotos mit dem Ilford Delta400

Blick auf die Bank

Schwierig im Gegenlicht

Zaum am Weg
Letztendlich sieht die Agfa Isolette 1 toll aus, ist aber über die letzten fast 70 Jahre auf Dachböden und Kellern nicht besser geworden. Sie war das günstige Einsteigermodell mit dem weniger wertigen Objektiv, was man ihr leider heute auch an den Ergebnissen ansieht.

 

 

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